Forschung

Das ISS hat sich in den letzen Jahren zu einem internationalen Kompetenzzentrum für Gesundheit und Bewegung entwickelt. Es verfügt vor allem in den folgenden Bereichen über besondere Expertise:

  • Monitoring und Surveillance von Bewegung
  • Infrastrukturen für Sport und Bewegung
  • Gesundheitsforschung
  • Bewegungsförderung für spezielle Zielgruppen (v.a. ältere Menschen, Menschen mit geringem Einkommen und Minderheiten)
  • Politikanalyse in den Bereichen Gesundheits- und Bewegungsförderungspolitik

Montioring und Surveillance von Bewegung

Prof. Rütten und seine Mitarbeiter werden häufig als Experten und Berater im Bereich Monitoring und Surveillance von Bewegung angefragt. Prof. Rütten hat das von der Europäischen Kommission (DG SANCO) geförderte EUPASS-Projekt (European Physical Activity Surveillance System) koordiniert, er und Dr. Abu-Omar haben die Europäische Kommission bei der Nutzung von Befragungsinstrumenten zum Bewegungsverhalten beraten und für EUROSTAT große Datensätze zum Bewegungsverhalten in Europa analysiert. Seit 2005 sind Prof. Rütten und Dr. Abu-Omar als “Temporary Advisors” der Weltgesundheitsorganisation WHO zu Fragen von Monitoring und Surveillance von Bewegung tätig.

Infrastrukturen für Sport und Bewegung

Verbesserung von Infrastrukturen für Bewegung in der Freizeit auf lokaler Ebene (IMPALA)

ImpalaDas IMPALA-Projekt untersucht Infrastrukturen für Sport und körperliche Aktivität in der Freizeit. Institutionen aus dreizehn europäischen Ländern sind an IMPALA beteiligt. Das Projekt wird von Prof. Rütten koordiniert und von der Europäischen Kommission (DG SANCO) gefördert.
IMPALA zielt darauf ab, gute Praxis bei der Planung, der Finanzierung, dem Bau und dem Management lokaler Infrastrukturen für Bewegung in der Freizeit zu identifizieren, implementieren und verbreiten. IMPALA soll helfen, die Anstrengungen zur Entwicklung lokaler Infrastrukturen für Bewegung in der Freizeit in den EU-Mitgliedsstaaten zu bündeln. Dadurch sollen Ungleichheiten beim Zugang zu diesen Infrastrukturen verringert werden, und zwar sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene.

Gesundheitsforschung

Das ISS hat im Auftrag unterschiedlicher Institutionen (z.B. Ministerien, Krankenkassen) bereits mehrere Projekte zur angewandten Gesundheitsforschung durchgeführt. Drei Beispiele sind:

Der Einfluss eines multi-modalen Bewegungsprogramms auf Patienten mit früher Alzheimerdemenz (Sport & Kog)

Die Studie untersucht den Effekt eines multimodalen Bewegungsprogramms und einer telefonischen Bewegungsberatung auf die Gesundheit, Kognition und das Wohlbefinden bei Patienten mit früher Alzheimerdemenz. An der randomisierten kontrollierten Studie nehmen 19 verschiedene Institutionen aus den Disziplinen Neurologie, Psychiatrie, Gerontologie, Sportmedizin, Sportwissenschaft u.a. teil. Die Patienten (n=300) werden randomisiert und entweder der Interventionsgruppe (experimentelles Programm) oder der Kontrollgruppe (Placeboprogramm) zugeteilt. Follow-up Untersuchungen finden einmal am Ende der Intervention (6. Monat) und sechs Monate nach Ende der Intervention (12. Monat) statt. Prof. Rütten leitet die Entwicklung und Implementierung der Intervention. Das Projekt wird vom Bundesgesundheitsministerium gefördert.

Körperliche Aktivierung von bewegungsarmen Erwachsenen

Das Projekt (2005-2006) diente der Entwicklung eines Screening-Instruments zur Identifizierung und Charakterisierung bewegungsarmer Erwachsener, zur Anamnese der Optionen zur Bewegungsaktivierung der Erwachsenen und Entwicklung eines geeigneten Interventionsprogramms. Zusammen mit der GfK führte das ISS zwei Panel-Untersuchungen durch und entwickelte ein kontrolliertes 12-Wochen-Programm zur körperlichen Aktivierung mit ca. 100 Teilnehmern. Darauf aufbauend kann mit den Projektpartnern eine Programmatik zur körperlichen Aktivierung von bewegungsarmen Erwachsenen für die Anwendung in der Präventionspraxis entwickelt werden. Das Projekt wurde von der BARMER-Ersatzkasse gefördert.

Betriebliche Gesundheitsförderung

2006 führte das ISS verschiedene Interventionen und Evaluationen zur Bewegungsförderung in Betrieben am Beispiel von SIEMENS und der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK durch. Ziel war die Förderung der Alltagsbewegung bei Erwachsenen durch (1) Information und Motivation (10.000-Schritte-Kampagne), (2) den Einsatz von Schrittzählern und (3) individuelles Bewegungscoaching.
Durch das Projekt werden aktuelle internationale Empfehlungen zur Förderung von Bewegung im Alltag konkret umgesetzt. Für Deutschland ist dieses Projekt eines der Ersten, das sich mit dem Thema Alltagsaktivierung auseinandersetzt.

Bewegungsförderung für spezielle Zielgruppen

Das ISS beschäftigt sich seit einigen Jahren verstärkt mit der Bewegungsförderung für spezielle Zielgruppen. Schwerpunkte sind Erwachsene, ältere Menschen und sozial Benachteiligte.

Aufbau politischer Kapazitäten zur Gesundheitsförderung durch Bewegung bei älteren Menschen mit inaktivem Lebensstil (PASEO)

Paseo

Das PASEO-Projekt soll die Implementierung von Programmen zur Bewegungsförderung bei älteren Menschen mit inaktivem Lebensstil verbessern, indem es bei Aufbau der dafür notwendigen politischen Kapazitäten hilft. Im Rahmen von PASEO werden in allen beteiligten Ländern nationale Allianzen etabliert, die in einem kooperativen Planungsprozess sowohl die inter-organisationalen (z.B. Vernetzungsstrukturen) als auch die organisationsinternen Kapazitäten (z.B. Personalschulung und Finanzierung) ihrer Mitglieder verbessern sollen. Das Projekt baut auf dem bereits abgeschlossenen, von der EU geförderten EUNAAPA-Projekt (2006-2008) auf. An PASEO sind 15 Nationen beteiligt. Das Projekt wird von Prof. Rütten geleitet und von der Europäischen Kommission (DG SANCO) finanziert.

Bewegung als Investition in Gesundheit (BIG)

bigDas BIG-Projekt (2005-) zielt im Rahmen der Präventionsforschung des Bundes auf die Entwicklung und Evaluation adäquater Gesundheitsförderung durch Bewegung von Frauen in schwierigen Lebenslagen. Mit einem sowohl verhältnis- als auch verhaltenspräventiven Ansatz will BIG die Chancen dieser Frauen verbessern, an den vielfältigen positiven Effekten von Bewegung teilzuhaben. Auf dem Modellprojekt BIG aufbauend wird mit BIGff und BIGGER erprobt, inwieweit der systematische Beteiligungs- und Befähigungsansatz von BIG auf andere soziokulturelle Kontexte übertragen werden kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat BIG als Fallstudie für ihre beiden Programme “Assets for Health and Development” und “Tackling Obesity by Creating Healthy Residential Environments” ausgewählt.